Pensionskassen gehen höhere Risiken ein

Mit gerundet 110% Deckungsgrad wähnen sich privatrechtliche Pensionskassen auf sicherem Grund. Die fast inexistenten Frankenzinsen werfen die Frage auf, woher die Kapitalerträge kommen sollen.

Die Spezialisten der Swisscanto schätzen die Umverteilung von Aktiven zu Renten in der zweiten Säule auf zurzeit 2,6 Mrd. Fr. In den laufenden Renten stecken Zinsversprechen von 2,8% – damit musste eben wegen der schwachen Performance der Kapitalmärkte im vergangenen Jahr Geld aus der Substanz entnommen werden. Die im Schnitt auf magere 1,13% gegenüber 7,31% im Vorjahr geschrumpfte Anlagerendite reichte klar nicht aus, um allen Verpflichtungen voll nachkommen zu können. – Die unter 467 Pensionskassen mit einem Kapital von 581 Mrd. Fr. durchgeführte Swisscanto-Umfrage zeigt für 2015 vorab aus diesem Grund einen leichten Rückgang der Deckungsgrade. Mit 110,4% bewegte man sich bei privatrechtlichen Kassen noch in der Komfortzone. Die mit erfassten Vermögen von 864 Mrd. Fr. (rund 93% des Totals) genauere Umfrage der Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge hatte übrigens eine Rendite von 0,8% und einen Deckungsgrad von 105,1% für privatrechtliche Kassen ermittelt.


Realzins schützt die Rente


Trotz vielem Lamento sollte im Übrigen die Kaufkraft (vgl. Grafik) nicht unterschätzt werden. Die Inflation lag in den neunziger Jahren bisweilen über dem jahrelang mit 4% stabil gehaltenen BVG-Mindestzins; aus dieser Perspektive betrachtet, wäre es verfrüht, der zweiten Säule das Totenglöckchen zu läuten. Im Zeitraum 2009 bis 2015 sind auch die Altersguthaben der Aktiven in realen Werten gerechnet ansprechend verzinst worden, und erst recht jene der Rentner. Es verwundert nicht, dass kaum je Klagen über die laufenden Rentenleistungen zu vernehmen sind.

Als Gruppe bewegen sich Schweizer Pensionskassen so langsam wie ein grosser Tanker zur See, wenn es um Änderungen ihrer Anlagestrategie geht. Umschichtungen werden erst über längere Zeiträume sichtbar, beispielsweise die Reduktion der Anlagequote der Obligationen von 38% auf 33% innerhalb von acht Jahren. Aufgestockt wurden Immobilien, Aktien und alternative Anlagen, wogegen Negativzinsen davor abschrecken, viele Barmittel zu halten. Nur jede fünfte Pensionskasse gibt an, von den Negativzinsen betroffen zu sein. So oder anders tüfteln alle Kassenverantwortlichen an verfeinerten Anlagestrategien, denn die anvisierte Rendite von 2% wird mit Obligationen kaum erreicht.

Quelle: NZZ
24.05.2016

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